Begegnung
Die persönliche Geschichte: Ort, Zeit, Lebensphase und der Moment, in dem das Werk geblieben ist.
Zehn Kunstwerke, die mir begegnet sind und geblieben sind. Zehn persönliche Geschichten. Zehn andere Arten, Fragen zu stellen. Zehn Songs.
Jedes Kapitel beginnt mit einer Erinnerung: Wo ist mir dieses Werk begegnet? Warum hat es sich festgesetzt? Und was hat es mit meinem eigenen Leben zu tun?
Danach wechseln wir die Richtung. Wir interpretieren nicht das Bild. Wir betreten es. Wir fragen, was kurz davor geschah, was außerhalb des Rahmens liegt und wie die Figur aussieht, wenn sie sich zu uns umdreht. Aus den Antworten entstehen Strophen. Aus jeder Strophe entsteht eine neue Variante des Originals.
Die persönliche Geschichte: Ort, Zeit, Lebensphase und der Moment, in dem das Werk geblieben ist.
Nicht die Absicht des Künstlers suchen, sondern Türen in die unsichtbare Geschichte öffnen.
Jede gefundene Antwort wird zu einer Szene, einer Haltung und schließlich zu einer Strophe.
Vier Strophen, vier Varianten. Das vertraute Werk beginnt, unsere eigene Geschichte zu erzählen.
Warum steht er dort? Wie kam er hinauf? Und was sehen wir, wenn er sich umdreht?
Das Booklet erhält einen festen Rhythmus und lässt jedem Werk trotzdem Raum. Nach 8 Seiten Auftakt folgen zehn Kapitel mit wechselnd 8 bis 10 Seiten; 4 Seiten schließen das Projekt ab.
Die Kapitel wachsen mit dem Projekt. Werk 01 ist geöffnet; die nächsten neun warten auf ihre Geschichte.
Eine Figur, ein Felsen, ein Ziel. Aber was, wenn der Gipfel gar nicht die Antwort ist?

Dieses Bild begleitet mich, weil ich mich in seiner Rückenfigur wiedererkenne: im Blick nach vorn, im Aufstieg und in der Vorstellung, oben müsse sich alles erklären.
Der Song beginnt dort, wo ein Lebenslauf wie ein vorgezeichneter Bergpfad wirkt. Schule, Arbeit, Sicherheit, Ruhestand – Stationen, die Orientierung geben und zugleich verbergen können, wem der Weg eigentlich gehört. Auf dem Gipfel wartet deshalb keine Erlösung, sondern die erste eigene Frage.

Sie zeigten auf den höchsten Stein und sagten: Dort musst du einmal sein. Geh immer weiter, halte Schritt, die Zeit bleibt niemals stehen, sie nimmt dich mit.Mein Leben beginnt nicht erst am Ziel.

Nun steh ich überm Wolkenmeer, doch vor mir trifft mein Blick nur Leere. Ich habe alles mitgebracht, was angeblich glücklich macht.Am Ziel allein find ich mich nicht.

Da gingen Menschen neben mir, manche nur kurz, manche bis hier. Sie fragten nicht nach meinem Stand, sie reichten mir die offene Hand.Was mich erfüllt, entsteht im Gehen.

Nun steh ich wieder auf dem Stein und diesmal bin ich nicht allein. Das Nebelmeer blieb, wie es war, nur seh ich meinen Weg nun klar.Ich bin ja längst angekommen, wenn ich nur gehe.
Friedrich wurde 1774 in Greifswald geboren und studierte ab 1794 an der Kunstakademie in Kopenhagen. 1798 ließ er sich in Dresden nieder. Seine Landschaften sind keine bloßen Abbilder bestimmter Orte: Er verband genaue Naturstudien zu verdichteten Bildräumen, in denen der Mensch der Größe, Schönheit und Ungewissheit der Natur gegenübersteht.
Der „Wanderer über dem Nebelmeer“ entstand um 1817, ist in Öl auf Leinwand gemalt und misst 94,8 × 74,8 cm. Seit 1970 gehört das Werk zur Sammlung der Hamburger Kunsthalle.