Nur ein
Detail
Jeder blickt mich anders an.

Meine Begegnung
Das Warhol-Plakat hing schon bei unserem Einzug 1997 im Wohnzimmer und ist bis heute dort geblieben. Für mich war es lange ein Druck, dem ich wenig abgewinnen konnte. Zwar wusste ich, dass Andy Warhol ein namhafter Künstler war, doch das Bild sprach mich nicht wirklich an.
Mein Maßstab für Kunst war lange die Nähe zur Wirklichkeit gewesen. Ein Bild oder eine Skulptur beeindruckte mich besonders dann, wenn die Darstellung möglichst realistisch war. Vor dem David oder den filigranen Arbeiten von Fabergé konnte ich unmittelbar staunen. Bei Warhol entfernten sich die Farben von dem, was ich aus der Wirklichkeit kannte.
Jemand brachte mich auf die Idee, mit einer meiner eigenen Zeichnungen weiterzuarbeiten. Ich hatte den Kopf eines Adlers in Großaufnahme gezeichnet. Bei der Umsetzung erinnerte ich mich an das Warhol-Bild in unserem Wohnzimmer: Ich vervierfachte meine Zeichnung und ordnete die vier Fassungen gemeinsam an.
In jedem Bild veränderte ich nur ein Detail. Der Schnabel wurde blau, grün, gelb oder rot. Alles andere blieb gleich. Trotzdem wirkten die einzelnen Adlerköpfe deutlich unterschiedlich. Auch die gemeinsame Anordnung bekam dadurch eine besondere Note. Wie stark sich ein Bild durch einen so kleinen Eingriff verändern konnte, wurde für mich unmittelbar sichtbar.
Seitdem sehe ich auch das Warhol-Plakat anders. Über meine eigene Arbeit habe ich einen Zugang gefunden, den ich früher nicht hatte. Damit führt dieser Song zurück zu Beuys und Fountain, zu den ersten Stationen dieses Albums: Mein Blick auf Kunst hat sich erweitert, und diesmal kann ich die Veränderung in einer eigenen Zeichnung sehen.
Wiederholung verändert den Blick
Warhol arbeitete mit wiederkehrenden Motiven und veränderten Farben. Beim fotografischen Siebdruck konnte dieselbe Bildvorlage in mehreren Fassungen erscheinen. In der Wiederholung treten Unterschiede besonders deutlich hervor.
Das Louisiana-Ausstellungsplakat zeigt zwei übereinander angeordnete Selbstbildnisse in unterschiedlichen Farben. Es wurde zum Anknüpfungspunkt für meine vier Adlerköpfe.
Selbst etwas draus machen
Ein vertrautes Bild bleibt lange unbeachtet. Erst ein leiser Anstoß führt zum eigenen Versuch. Ein Detail verändert sich, und plötzlich schaut aus jedem Gesicht ein anderer zurück.
Der Song folgt dieser Entdeckung mit einem Bassmotiv, rhythmischem Sprechgesang und einem Refrain, der den Blick immer wieder auf dasselbe Gesicht lenkt. „Ein fremder Ton“ lässt Farbe und Musik ineinander übergehen.
Am Ende steht wieder das vertraute Bild. Es ist noch da, an derselben Wand. Verändert hat sich die Aufmerksamkeit: „Sieht mich an – und ich seh hin.“
Ein Kopf. Vier Begegnungen.
Aus meiner Zeichnung wurden vier Fassungen. Nur ein farbiges Detail unterscheidet sie.


Für die aufbereiteten Fassungen wurden Rahmen, Perspektive und Spiegelungen mit KI bearbeitet. Einzelheiten können von den Zeichnungen abweichen; die Originalfotos bleiben zum Vergleich zugänglich.

Ein Gesicht, das bleibt
Dieses Plakat erinnert mich an den Anfang meiner eigenen Anordnung. Es zeigt zwei farblich unterschiedliche Fassungen desselben Gesichts. Aus der Erinnerung daran entstand meine Arbeit mit vier Adlerköpfen.
Die Abbildung wurde aus einem dunklen, teilweise verdeckten Foto rekonstruiert. Farben, Schrift und ergänzte Bildteile können vom vorhandenen Plakat abweichen.
Nur ein Detail
Der vollständige Liedtext zum Mitlesen: vom vertrauten Bild zum eigenen Spiel der Farben.
Strophe 01
Es war immer da, hab’s nur nie gesehen Nie bemerkt, was es wirklich war Für mich sollte ein Bild durch den Rahmen gehen Als wär keine Grenze mehr da
Pre-Chorus 1
Dann sprach jemand leise: Mach etwas draus Probier’s doch selber mal aus
Chorus 1
Es ist nur ein Detail Es bleibt derselbe Blick Doch aus jedem Gesicht Schaut nun ein andrer zurück Ein fremder Ton zog ein Wo die Verwandlung begann Jeder blickt mich anders an
Strophe 02
Hab nur einen Fleck Farbe angebracht Den Rest wie er schon war belassen Hab an das Spiel der Farben gedacht Konnte kaum die Wirkung fassen
Pre-Chorus 2
Aus einem Bild hab ich dann vier erstellt Und ein jedes spricht nun zu mir
Chorus 2
Es ist nur ein Detail Es bleibt derselbe Blick Doch aus jedem Gesicht Schaut nun ein andrer zurück Ein fremder Ton zog ein Wo die Verwandlung begann Jeder blickt mich anders an
Bridge
Wo früher für mich nur Unverständnis war Wurde mir bald etwas Neues klar Jetzt kann ich im eignen Bild die Verwandlung sehn Und bleibe vor den anderen viel länger stehen
Finaler Chorus
Es ist nur ein Detail Es bleibt derselbe Blick Doch aus jedem Gesicht Schaut nun ein andrer zurück Ein fremder Ton zog ein Wo die Verwandlung begann Jeder blickt mich anders an
Instrumental
Die Melodie des Chorus kehrt instrumental wieder.
Outro
Es ist nur ein Detail An derselben Wand Ein vertrautes Gesicht Das ich neu für mich fand Was dort all die Jahre hing Während ich daran vorüberging Sieht mich an – und ich seh hin